September 28, 2018
Irgendwo klopft einer mit dem Hammer auf Metall. Etwas fällt zu Boden. Ein Auto fährt vorbei, die Boxen dröhnen, der Arabische Sound geht mir immer sofort in die Füße. Katzen miauen. Wasser tropft aus dem Schlauch einer Klimaanlage und landet mit leisem Plopp in einer drunter aufgestellten leeren Eisverpackung. Eidechsen an der Hauswand. Eine Kreissäge kreischt, am Nachbarhaus wird gebaut. Ich bin heute morgen ausgezogen aus meinem Zimmer. Es war nur bis heute frei.Abschied von Harel....

September 24, 2018
Sukkot- das Laubhüttenfest- es ist Feiertag und entsprechend ruhig. Ein paar Busse fahren, das ist gut, denn ich will doch heute nach Akko zum Fringe-Theaterfestival. Hochkarätige Gruppen aus Israel und aller Welt treffen sich in der wunderschönen arabischen Altstadt von Akko zu einem spannenden Theateraustausch. Für mich soll es zugleich der Transfer sein in meine Arbeit zuhause und mir den Abschied etwas erleichtern. Doch der Montagmorgen gehört erst einmal Rita- wie immer, und so soll...

September 23, 2018
Mit Harel und seiner Freundin treibe ich mich auf dem Haifa-Filmfestival herum. Da sehe ich ihn, den Seiltänzer, auf seinem Weg zwischen 2 Hochhäusern läuft er durch den nächtlichen Himmel. Ich lege meinen Kopf in den Nacken, verfolge gebannt jeden seiner kleinen Schritte. Er ist für mich einen Moment lang wie ein Bild meines Inneren. Tasten, Suchen, Vorwärtswollen, nicht Umkehren, gesehen werden, und, im "Falle des Fallens" die Sicherungsleine am Körper.

September 22, 2018
Shabat in Haifa, es ist wunderbar ruhig. Vor meinem Fenster erzählt ein Papagei seine Geschichten in den stillen Morgen. Nach einer kurzen Runde mit dem Hund will ich zum Strand. Ich laufe an der geöffneten Synagoge vorbei downtown durchs arabische Viertel Wadi Nisnas. Shabat in Haifa ist eben auch: Einen footstep weiter und man ist in einer anderen Welt. Markttrubel, Gemüse und Früchte türmen sich zu farbenfrohen Bergen, der Pitabackofen wirft seine aufgeblähten Fladen aufs Fließband,...

September 20, 2018
Zum dritten Mal auf meiner Reise rollt ein Bus, mit mir vorn auf dem ersten Platz beim Fahrer, nach Jerusalem. Im Bus stelle ich fest, dass ich meinen Pass in Haifa vergessen habe. Ich rufe im Hostel an, ob ich auch ohne Pass einchecken kann. No way. Also frage ich Shlomo, ob ich bei ihm schlafen kann. Er ist da und freut sich auf mich. Wenn der Bus den Berg nach Jerusalem hoch fährt, läuft immer genau dann im Radio eine gute Musik- oder ist es einfach meine Freude, die die Musik...

September 17, 2018
Das Laubütten-Fest rückt näher. Überall werden die Laubütten vor den Häusern aufgebaut. Diese einst improvisierten Hütten bekommt man jetzt im Bausatz. Sie erinnern an den alten Brauch, als das jüdische Volk durch die Wüste wanderte. In den Tagen dieses Festes halten sich die Familien viel in diesen Hütten auf, essen dort. Aber noch stehen die Hütten leer. Morgen Abend beginnt Yom Kippur. Ich bin neugierig auf diesen Feiertag. Judith will zum Arzt. Sie hat Schmerzen im Auge. Wird an...

September 16, 2018
Eine Messerattacke südlich von Jerusalem. In einer jüdischen Siedlung, die dort nicht sein sollte, weil sie da nicht hingehört. Das Opfer, ein 44 jähriger Siedler, der mit seiner Pistole den 17jährigen Täter erschießen konnte, bevor er selbst an seinen Verletzungen starb. Die Hamas jubelt und preist den 17 jährigen als Helden für die Palästinensische Sache. Die israelischen Minister schwören, dass diese Siedlung dort ewig bleiben und nun erst recht weiter ausgebaut wird. Was reift...
September 15, 2018
Zunächst einmal: es sind nur noch zwei Wochen hier. Ich beginne, die Kürze der verbleibenden Zeit zu spüren. Gemischt mit der großen Freude, wieder nach Hause zu kommen, ist das ein sonderbares Gefühl. Natürlich auch die Frage: werde ich die vielen Menschen, die ich hier kennengelernt habe, wiedersehen und wann? Aber das ist jetzt nicht zu beantworten. Also versuche ich gerade, so viel wie möglich mich mit einzelnen zu treffen. Zum Beispiel mit der 92jährigen Sarah aus Breslau. Ich...

September 14, 2018
Zum dritten Mal fahre ich ins große Hospital auf dem Carmel Berg. Das erste Mal vor ca 2 Wochen: Marwan wurde dort ambulant operiert und ließ mich, wie immer spontan, kurzfristig und umständlich, wissen, dass er da ist. Ich bin dann unverzüglich hoch mit dem Bus, durfte ihn aber nicht sehen. Seine Familie, die bei ihm war, würde das nicht akzeptieren. Erst als er entlassen wurde, trafen wir uns für 15 Minuten vor dem Eingang. Dass sein Bruder ein paar Straßenzüge weiter auf ihn wartet,...

Mehr anzeigen