Arachne. Wahr sagen

Idee, Figurenbau und Spiel: Janne Wagler

Musik: Bastian Kilper

Kostüme: Beatrix Jaud- Grimm

Regiebegleitung: Frank Soehnle

Assistenz: Anna Rosenfelder

Premiere: 14.. Mai 2021 auf der Probebühne der Tübinger Figurentheater

 

 

Wir freuen uns sehr, dass unsere Produktion "Arachne. Wahr sagen" eine Förderung aus Bundesmitteln des Fond Darstellende Künste erhält!

Stationen im Arbeitsprozess

Der Mythos erzählt vom Konflikt zwischen  der Weberin Arachne und Pallas Athene, der Göttin des Kampfes und der Künste. Sie rät der Weberin dringend, sich nicht mit den  Mächtigen anzulegen. Arachne fordert die Göttin zum Wettkampf in der Webkunst heraus. Auf Athenes Teppich erscheinen Glanzbilder des Götterhimmels; sie ist siegesgewiss.

Doch Arachne greift webend in den Filz der Mächtigen. Wie eine Investigativjournaliistin entlarvt sie,  vor den Augen der staunenden  Menge, die Täuschungsmanöver und Schandtaten der Götter. Drohungen können sie nicht stoppen, die Strafe folgt: Die Göttin zerstört Arachnes Webteppich und verwandelt sie  in eine Spinne.


Erste Versuche in der Probebühne

Arachne hockt in ihrer Netz-Ecke, geworfen auf sich selbst. Sie wird gemieden, ihre  Netze werden weggefegt. 

Sie muss sich erinnern an ihre Webkunst, an ihren trotzigen Mut, an ihre Freiheit. Raus aus der Isolation! Die Spinne bewegt sich, krabbelt zum Webrahmen, kriecht zwischen den hängenden Fäden hindurch,  verwandelt sich in Menschliches, richtet ihren bohrenden Blick auf uns und hält uns den Spiegel vor.

Impressionen von Proben mit Anna Rosenfelder, die uns auch bei dieser Produktion wieder als Assistentin und Impulsgeberin begleitet.


Und wo es uns hinführt...

 

Vor dreißig Jahren, als Journalisten in Malta nicht unter eigenem Namen publizierten und es nichts Kontroverses zu lesen gab, begann die junge Daphne Caruana Galizia, sich als unabhängige Investigativjournalistin einen Namen zu machen.

 

Daphne hatte mächtige Feinde.

In ihrem Blog "Running Commentary" berichtete die 53-Jährige über Korruption und Geldwäsche auf Malta, über die Verbrechen von Politikern.

Dafür wurde sie bedroht.

Im Oktober 2017 gibt Daphne Caruana Galizia einer Wissenschaftlerin vom Europarat ein letztes Interview. Sie berichtet von den Anfeindungen, die sie jeden Tag erfährt. Davon, dass man zweimal versucht hat, ihr Haus anzuzünden, ihrem Hund die Kehle durchschnitt, ihr nachts in einer Tiefgarage den Weg versperrte.

 

 

"Meine größte Sorge ist, dass die Menschen sehen, was mir passiert und dass es sie abschreckt. Sie sehen, wie mein Leben ist und sagen sich: Das mache ich auf keinen Fall! Ich selbst habe mich daran gewöhnt. Es ist, wie wenn sich eine Narbe um eine Wunde formt." 

Zehn Tage später ist Daphne Caruana Galizia tot.

 

 Angst ist ein Thema, genomme und wiedergefundene Freiheit. Der Mut, dranzubleiben. Der Mut, sich zu äußern, zu widersprechen.

Und es ist dennoch so menschlich, wenn man diesen Mut nicht hat.

Nawalny kehr zurück nach Russland? Obwohl er weiß, was ihn erwartet? Woher nimmt er diese Kraft, diese Zuversicht? Oder weiß er schon, was mit ihm geschieht?

 

Mein Briefkasten

ist frei

von

Dreck.

Die Bomben halte ich mir vom Leib.

Ich weiß, was ich zu sagen habe.

Meine Worte

wissen es

selbst,

ob

sie über meine Lippen dürfen oder

nicht.

Schon im Magen, in der Leber legen sie sich

zurecht. Passen durch,

gleiten durch

die Windungen nach oben. Bringen mich nicht in Gefahr.

Und so wirkt das Gift.

Nowitschok

Damit

Wer etwas zu sagen hat

Im Koma bleibt. Nicht aufwacht aus dem Koma.

Und wenn, dann soll ein Nebel um ihn sein

Ein nicht mehr erinnern, was er einst sagen wollte

Sagen musste.

Hatte er es gesagt?